Album Review: Casper – Lang Lebe Der Tod

Da hat Casper ja wieder einen raus gehauen. Die lange Wartezeit hat sich gelohnt. Und nun ist das schnieke Stück seit zwei Wochen veröffentlicht. Sogar auf Platz 1 der Albumcharts ist die Platte eingestiegen. Was halte ich von der Platte?

„Lang lebe der Tod“ umfasst 12 Songs (eigentlich 10, aber Sirenen hat einen eigenen Prolog und die kurze und die lange Version) mit einer Laufzeit von ca. 44 Minuten. Das Cover ist schlicht gehalten und zeigt lediglich sechs Stränge eines Stacheldrahtzauns vor einem weißen Hintergrund.

Von tanzbar bis nachdenklich, von Indie bis 90er Industrial, von melancholisch bis verbissen – dieses Album hat viele Einflüsse. Als Gäste sind auf diesem Album Drangsal, Portugal, the Man, Ahzumjot, Blixa Bargeld, Dagobert und Sizarr. Eine ungewöhnliche Mischung für ein Casper-Album.

Die erste Singleauskopplung „Lang lebe der Tod“ hatte es direkt in sich. Düstere Sounds mit einem noch düsteren Musikvideo. Und diese Stimmung zieht sich weitestgehend durch das gesamte Album. So war auch die zweite Singleauskopplung von „Sirenen“ eher schwere Kost. Der Release des Songs bei „Circus Halligalli“ traf auch auf gespaltene Meinungen. Entweder man liebt den Song oder man hasst ihn, oder? Die düstere Atmosphäre wird durch „Keine Angst“ und „Alles ist erleuchtet“ vermindert.

„Keine Angst“ könnte ein Song auf dem 2013 erschienenen Album „Hinterland“ sein. Tanzbar, leicht und eine perfekte Abrundung mit dem Feature durch Drangsal. Das Video ist schlicht, aber stark. Macht Lust auf mehr!

Zu der Sparte „XOXO“ könnte man die Songs „Meine Kündigung“ und „Deborah“ einordnen. Eher melancholisch, nicht so hart, relativ weich, aber trotzdem schwere Kost. Ich bin kein Fan von diesem Schubladendenken, aber bei einigen Songs passt die Einteilung in ältere Ären. Eine Mischung aus Alt und Neu, für jeden Etwas dabei.

Ältere Casper-Vibes kommen auf dem Album aber auch nicht zu kurz. Während bei „XOXO“ und „Hinterland“ die „älteren“ Fans sich viel über „emomäßige Teeniemukke“ beschwert haben, die zu wenig den alten Cas-Raps glichen, kommt der „alte Casper“ hier wieder mehr zum Einsatz. Ein gutes Beispiel finde ich den Song „Morgellon“. Längere Rap-Parts mit harten Tönen, die sehr an Industrial erinnern.

Ein weiterer Kandidat für diese Sparte ist „Wo die wilden Maden graben“ – ich bin Fan seit der ersten Minute! Schnellere und leichtere Melodien, als die von LLDT oder Morgellon.

Ein grandioser Abschluss wird durch „Flackern, flimmern“ erzeugt. Ein leiser, ruhiger Einstieg und dann startet der Refrain und man ist plötzlich in dem Song drin. Eine ganz andere Atmosphäre, keine schweren Vibes zum Ende. Das Album endet mit einem eher guten Gefühl.

Fazit: Casper hat mit „Lang lebe der Tod“ ein wahres Meisterwerk geschaffen. Die Features sind bizarr aber sehr weise gewählt. Ich meine, wer rechnet mit einem Feature von Blixa Bargeld (wem das nichts sagt, er gehört zu den Einstürzenden Neubauten). Von schwerer Kost über Melancholie bis hin zu leichteren oder tanzbaren Songs. Eine starke Mischung verschiedener Genres, die man von Casper vielleicht nicht direkt erwartet. Das Album ist nicht einfach zu Hören, vielleicht brauchen einige auch mehrere Anläufe. So viele verschiedene Eindrücke, Momente und Messages sind in den Songs eingebaut. Wie ein Rezensent auf Amazon so schön sagt „Caspers […] Gefühlsinferno“. Der Aussage kann ich so zustimmen!

 

Anspieltipps: Keine Angst, Wo die wilden Maden graben, Lang lebe der Tod

Tracklist:

  1. Lang lebe der Tod
  2. Alles ist erleuchtet
  3. Keine Angst
  4. Sirenen – Prolog
  5. Sirenen (kurz)
  6. Lass sie gehen
  7. Morgellon
  8. Wo die wilden Maden graben
  9. Deborah
  10. Meine Kündigung
  11. Flackern, Flimmern
  12. Sirenen (lang)

 

Stay tuned!

~ Michelle

 

P.S. Habt ihr Bock auf mehr Reviews? Schaut doch mal bei den Kollegen vorbei:

Album der Woche (7.9/10)

minutenmusik.

Monkeypress (10/10)

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5 Gedanken zu “Album Review: Casper – Lang Lebe Der Tod

  1. Casper ist und bleibt megaaaa! *_* Ich liebe seine Musik aber werde immer leicht depri, weil seine Texte einfach unglaublich krass sind!

    Ich finde solche Reviews grandios! 🙂 Hatte früher mal ne Kategorie die Music Monday hieß. Da habe ich immer die neusten Songs vorgestellt, hihi.

    Schönes Wochenende wünsche ich Dir. ♥

    XX,

    http://www.ChristinaKey.com

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  2. Also ich muss leider sagen, dass ich mir die Songs auch gerne mal anhöre, ich aber finde, dass Casper schon eindeutig besser mein Geschmack getroffen hat mit früheren Alben von ihm.
    Meine Schwester wiederum ist total hin und weg von dem Album. Also wie du schon sagst, irgendwie für jeden was dabei, spaltet aber trotzdem die Meinungen.
    Liebe Grüße und einen schönen Tag wünsche ich dir:)

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  3. Großartiges Album und schön geschriebener Artikel. Durch die ganzen Interviews und das Track by Track bekommt man auch vielerlei Hintergrundinformationen, die das Album noch besonderer machen. Live entwickeln die Songs dann noch einmal eine andere Atmosphäre. Insgesamt könnte das fast mein Album des Jahres werden, mal sehen. 🙂

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