Kinobesuch: Rammstein – Paris

Es ist der 23. März 2017, ca. 20:15 Uhr und ich sitze im Cinemaxx in Oldenburg im Kinosaal 5. Der Saal ist gut besucht, so wie ich es nur von Blockbustern, wie Star Wars oder einer Marvel Verfilmung, kenne und so gut wie jeder der Besucher (einschließlich mir) ist mit Rammstein Kleidung bestückt. Es ist zwar ein passives Konzerterlebnis, dennoch lässt sich ein gewisses gewohntes Konzert-Feeling nicht abstreiten. Dann wird das Licht im Saal langsam gedimmt und die Leinwand noch um einige gute Zentimeter vom Vorhang enthüllt – die Show beginnt…

Eine dunkle Konzerthalle, leise spielt ein verfremdetes Instrumental vom Band, man hört ein hydraulisches zischen und das Knacken von massiven Stahlseilen. Darauf folgt die Quelle der seltsamen Geräusche – eine 15 Meter lange Metallbrücke, die von der Hallendecke gleichmäßig herunter gelassen wurde. In diesen wenigen Augenblicken wurde mir klar, das hier ist das Live-Programm von der „Made In Germany“-Tour aus 2011.

Gänsehaut-Modus: Aktiv.

Ich hatte damals das Glück, Rammstein mit der besagten Best Of-Tour live in der ÖVB Arena in Bremen zu sehen und jetzt nach 6 Jahren, bekam ich das erste Mal offizielles Bewegtmaterial zu Gesicht. Ein Wunsch geht in Erfüllung, endlich!
Die sechs Bandmitglieder kommen in Kapuzen gehüllt, theatralisch mit Flaggen und Fackeln haltend über die Brücke, zur Hauptbühne stolziert und beginnen das Konzert mit dem Song „Sonne“. Einer der bekanntesten und lautesten Stücke der Band. Sowohl in der Konzerthalle, als auch im Kinosaal wird das Publikum direkt eingeheizt.

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Die Band spielt ihre Setlist, so wie ich es damals kennen und lieben gelernt hatte, aber das Besondere ist diesem Fall gar nicht die Livemusik, sondern die Art und Weise des Mitschnittes.

Das 98 minütige Konzert ist ziemlich schnell und dynamisch zusammengeschnitten und wechselt permanent zwischen den gefühlt 20 Kameras hin und her. Es hat den Stil eines extrem langen Musikvideos und weiß trotz der Länge, nicht eintönig oder monoton zu wirken. Mir kam nicht der Eindruck auf, den Schnittrhytmus vorherzusehen zu können, wie es bei vielen anderen Live-DVD’s oft der Fall ist. Besonders schön anzusehen waren die „Slow Motion“-Aufnahmen, wenn z.b. der Schlagzeuger Christoph gerade kräftig zum Schlagen ausholte oder hinter Sänger Till die Feuerfontänen aus dem Bühnenboden empor schossen. Was mir besonders gefiel, waren die Songtitel, die passend visuell und individuell, vor jedem neuen Song auf besondere Art ein- und ausgeblendet wurden. Beispielsweise habe ich noch die Titeleinblendung vom Song „Bück dich“ in Erinnerung, die visuell in Form eines männlichen Ergusses auf die Leinwand projeziert wurde. Bei dem Song „Mutter“,wurde der Titel im Stil eines gesprühten Graffiti eingeblendet. Diese Art und Weise hatte mich als gelernten Mediengestalter sehr angesprochen und dient mir jetzt, bei meiner nächsten Konzert-Produktion, definitiv als Inspiration.

Dass der Mitschnitt inszeniert ist, wie ein Musikvideo mit extremer Überlänge ist kein Zufall, denn Regie führte der Schwede Jonas Åkerlund, der bereits Musikvideos für Roxette, Lady Gaga, Beyoncé, Madonna und viele weitere große Namen produzierte. Auch Rammstein hatte schon im Jahr 2009 mit Jonas Åkerlund zu tun und gemeinsam das aufsehenerregende Musikvideo zur Single „Pussy“ gedreht, welches unzensiert nur auf diversen Erotikportalen zu sehen war.

Die an 3 Tagen (23., 24. und 29. März) in ganz Deutschland exklusiv aufgeführte Kinofassung, beinhaltete 15 Songs, die für mich wie im Flug vergingen. Im Kinosaal herrschte eine angenehme und gelassene Atmosphäre. Bei einigen Liedstellen und Refrains wurde in verschieden Ecke des Saales mitgesungen, man konnte überall ein leichtes mitstampfen und mitwippen vernehmen, und am Ende eines Songs wurde auch gerne mal dezent applaudiert. Alle hatten ihren Spaß und waren Teil der einzigartigen Rammstein-Show, in eines bisher einzigartigen Mitschnittes.

Ab dem 19.05.2017 erscheint die Kaufversion in sieben verschiedenen Editionen, in der noch sieben weitere Songs performt werden und auch für Vinyl-Anhänger gibt es eine ordentliche Gesamtbox mit Bild- und Audiomaterial.

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Mein Fazit:

Als großer Rammstein Fan bin ich in erster Linie erst einmal froh, dass ich endlich mein Bewegtmaterial zur damals besuchten Tour bekomme und jeder Zeit in Erinnerungen schwelgen kann. In zweiter Linie muss ich sagen, hat mich der Stil und die Art dieser Live-Version ziemlich begeistert. Inzwischen sind einige Wochen seit dieser Kinoaufführung vergangen und die Erinnerungen sind nicht mehr die frischesten, aber dennoch beschäftigt mich die Inszenierung immer mal wieder zwischendurch und hat einen deutlich bleibenden Eindruck hinterlassen. Es ist schnell, frisch, neu und manchmal auch ein wenig drüber. Es gibt nachgestellte Szenen und nachträgliche Animationen in der Live-Fassung die ich nicht alle für gelungen halte, dafür aber doch irgendwie drüber schmunzeln kann, weil es irgendwie zu Rammstein und zu Jonas Åkerlund passt. Ein wenig „weird“ und verstörend aber dennoch witzig und typisch. Daher kann ich für alle Rammstein- und Livemusik Fans eine absolute Kaufempfehlung aussprechen.
Jede andere Person, die mit der Band noch gar keine Berührung gemacht hat oder dieser eher skeptisch gegenüber steht, der kann ich nur mal anbieten es trotzdem auszuprobieren. Selbst wenn die Musik, die nun mal wirklich Geschmackssache ist, einem gar nicht zu sagt, bekommt man:

A) ein einzigartiges Bühnenspektakel präsentiert und

B) eine völlig neue Art von Live-Mitschnitt zu Gesicht.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist oder einfach nur neugierig geworden ist, der/ die kann sich einen von bereits zwei offiziell auf Youtube veröffentlichten Songs ansehen und einen guten ersten Eindruck von „Rammstein: Paris“ gewinnen.

Verfasser: Matze K.

 

Rammstein: Paris – Wollt Ihr Das Bett In Flammen Sehen?

 

 

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